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Buchbesprechung

Der Artikel erschien erstmalig im TESTUDO, Vereinszeitschrift der SIGS, Ausgabe März 2006.

ZACKEN-ERDSCHILDKRÖTEN
Die Gattung Geoemyda

Ingo Schaefer (2005): ZACKEN-ERDSCHILDKRÖTEN - Die Gattung Geoemyda, Natur und Tier – Verlag GmbH DE-48157 Münster. ISBN 3-937285-50-4


Einleitung

Über deutschsprachige Neuerscheinungen können sich Schildkrötenliebhaber in letzter Zeit wahrlich nicht beklagen und es wird zunehmend schwieriger, die Übersicht in der aktuellen Schildkrötenliteratur zu bewahren. Wir von der TESTUDO-Redaktion bemühen uns, die wichtigsten, deutschsprachigen Neuerscheinungen der letzten Zeit in den kommenden TESTUDO-Ausgaben zu präsentieren.

Neben einer Vielzahl von Büchern über die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) gibt es nur ganz wenige Werke zu spezifischen Schildkrötenarten. Allein schon deshalb erweckte bei mir die Ankündigung eines neuen Buches des Natur und Tier-Verlags mit dem Titel „Zacken-Erdschildkröten“ grosses Interesse. Hinzu kam der Umstand, dass ich selber seit einigen Jahren diese kleinen, unscheinbaren Schildkröten pflege und vermehre. Literatur über Zacken-Erdschildkröten (Geoemyda spengleri) zu finden, die über die Beschreibung des Aussehens hinausgehen, war bisher auf ein paar wenige Publikationen in einschlägigen Zeitschriften beschränkt. Meine Geduld wurde dann vom Verlag doch ein wenig strapaziert, da seit der Ankündigung beinahe ein Jahr bis zum Erscheinungstermin im November 2005 verstrichen ist.

Der Autor

Dem Verfasser des Werkes, Ingo Schaefer, bin ich persönlich noch nicht begegnet. Er ist aber als profunder Experte unter den Haltern von Zacken-Erdschildkröten über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt. Zwanzig Jahre Erfahrung in Haltung und Vermehrung sowie verschiedene Expeditionen zu den Lebensräumen dieser eigentümlichen Schildkröten stellen die Basis des vorliegenden Buches dar. Ebenso ist in das Buch die Auswertung bisheriger wissenschaftlicher Arbeiten der Gattung Geoemyda eingeflossen. So konnte Ingo Schaefer zwei weitere Personen als Mitautoren gewinnen. Das Kapitel zur Gelbkopf-Erdschildkröte (Geoemyda silvatica) wurde von Dr. Peter Praschag, dasjenige über das Sehvermögen der Chinesischen Zacken-Erdschildkröte (Geoemyda spengleri) von Dipl. Biol. Miriam Henze verfasst.

Thema

Landläufig bezeichnet man im deutschen Sprachraum mit Zacken-Erdschildkröte die Schildkrötenart Geoemyda spengleri. Das Thema des vorliegenden Buches ist jedoch weiter gefasst und handelt von der Gattung Zacken-Erdschildkröten (Geoemyda) mit seinen drei Arten

  • Chinesische Zacken-Erdschildkröte (Geoemyda spengleri)
  • Japanische Zacken-Erdschildkröte (Geoemyda japonica)
  • Gelbkopf-Erdschildkröte (Geoemyda silvatica)
Ob diese skizzierte Systematik in der Zukunft Bestand haben wird, ist zu bezweifeln. Unbestrittenerweise besteht zwischen den zwei erst genannten Arten (G. spengleri und G. japonica) eine nähere Verwandtschaft als zu G. silvatica, die von einigen Wissenschaftlern der Gattung Heosemys zugeordnet wird.

Aus dem Inhalt

Der allgemeine Wissensstand über die drei Arten ist sehr unterschiedlich. Während die Chinesische Zacken-Erdschildkröte bezüglich Vorkommen, Habitat und Haltung in Menschenobhut relativ gut bekannt ist, sind die anderen beiden Arten weitgehend unerforscht. Entsprechend gestaltet sich das Buch, 68 Seiten sind der Chinesischen Zacken-Erdschildkröte gewidmet und nur 33 Seiten den beiden anderen Arten der Gattung Geoemyda. Die Japanische Zacken-Erdschildkröte als auch die Gelbkopf-Erdschildkröte spielen bezüglich Haltung keine Rolle, da sie extrem selten und kaum ausserhalb ihres Ursprungslandes gehalten werden. So verzeiht der Leser gerne, dass der Schwerpunkt des Buches bei der Chinesischen Zacken-Erdschildkröte liegt und dadurch von der zwanzigjährigen Erfahrung des Halters profitieren kann.

Das Buch von Ingo Schaefer gliedert sich in einen allgemeinen Teil, der die Entdeckungsgeschichte, geografische Verbreitung sowie gemeinsame biologische Aspekte der drei Arten beschreibt. Der spezielle Teil widmet sich dann, wie bereits erwähnt, schwergewichtig der Haltung der Chinesischen Zacken-Erdschildkröte. Beim ersten Durchblättern ist man von der professionellen Aufmachung und vor allem von den hervorragenden Bildern begeistert. Allerdings ist man als Leser der Terraristik-Reihe vom Natur und Tier – Verlag auch nichts anderes gewohnt. Eine klare, themenorientierte Gliederung des Buches erleichtert das Auffinden von speziell interessierenden Kapiteln.

Mit besonderem Interesse las ich das Kapitel, wie die Chinesische Zacken-Erdschildkröte den Weg nach Europa fand. Der Autor hat sein Wissen über diese Tiere durch Reisen ins Ursprungsgebiet sowie der eigenen Beobachtung im Terrarium ständig erweitert. Für den Halter von Geoemyda spengleri sind die Kapitel über Terrarienanlage, Einrichtung, Futterangebot, Inkubation und Aufzucht von zentraler Bedeutung. Aufgrund dieser Themen ist es dem „Geoemyda-Einsteiger“ möglich, die Schildkröten aus den bergigen Nebelwäldern Vietnams und Chinas artgerecht zu versorgen. Allerdings fehlt der wichtige Aspekt der Winterruhe. Die Einhaltung einer der Natur nachempfundenen Winterruhe mit den im Ursprungsgebiet herrschenden Temperaturen ist meines Erachtens eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Haltung und Vermehrung dieser Art. Eine Absenkung der Temperatur um wenige Grade, wie es der Autor vorschlägt, genügt meiner Meinung nach nicht und führt nicht zum notwendigen Jahreszyklus des Hormonhaushaltes der Schildkröte. Ebenso kann ich die Fütterung mit Rinderherz nicht nachvollziehen. Nirgendwo wird die Zacken-Erdschildkröte in freier Natur auf das proteinreiche Rinderherz stossen. Es zeigen denn auch einige Tiere in den Abbildungen Ansätze zu Fettpolstern zwischen Carapax und Hinterbeinen.

Vorbildlich und in besonderem Masse erwähnenswert ist die vom Autor mit Bildern dokumentierte Terrarienanlage. Jedes einzelne Terrarium, welche für die zahlreichen Zacken-Erdschildkröten eingerichtet ist, stellt ein kleines, perfektes Ab-bild des Lebensraumes dieser Schildkröten dar. Dies allein genügt noch nicht für optimale Haltungsbedingungen. Der Raum, der die Terrarien beherbergt, muss das geeignete Klima (Temperatur und Feuchtigkeit) aufweisen, welche die klimatischen Bedingungen im Ursprungsgebiet nachahmt. Dem Leser wird vor Augen geführt, dass auch solch kleine und unscheinbare Schildkröten grosse Anforderungen an den Halter bezüglich der notwendigen Einrichtungen stellen können. Unbedingt erwähnen sollte man aber auch, dass gerade feuchtigkeitsliebende Schildkröten wie sie die Schildkröten der Gattung Geoemyda darstellen, ein hohes Mass an pflegerischem Aufwand erfordern.

Kritische Würdigung

Ohne Übertreibung darf man das vorliegende Werk zum ersten und bisher einzigen Standardwerk zur Chinesischen Zacken-Erdschildkröte im deutschen Sprachraum benennen. Bei allen mir bekannten, bisherigen Veröffentlichungen wurden nur einzelne Aspekte aufgeführt. Die Absicht des Autors, ein umfassendes Werk zu erstellen, ist gelungen und dafür gebührt ihm grosse Anerkennung. Als Buchautor hätte ich mich vielleicht dazu entschieden, nur über die Chinesische Zacken-Erdschildkröte zu schreiben und die anderen beiden Arten wegzulassen. Zu wenig ist darüber bekannt, viele Informationen beruhen auf Mutmassungen. Die Gefahr besteht, dass der Informationsgehalt dieses Buches gerade deshalb sehr schnell veraltet. Der Auszug der Diplomarbeit von Frau Dipl. Biol. Miriam Henze über das Sehvermögen bei Geoemyda spengleri stellt meines Erachtens ein Fremdkörper im Buch dar, der weder vom Detaillierungsgrad des Themas noch die wissenschaftliche Sprache zum übrigen Inhalt passt. Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Diplomarbeit in den Worten des Autors hätte den Abschnitt lesefreundlicher gestaltet. Diese wenigen, kritischen Bemerkungen schmälern das gelungene Werk aber nicht. Das von Prof. Fritz Jürgen Obst im Geleit erwähnte Ziel, mit diesem Buch beizutragen, dass die Population der Zacken-Erdschildkröten in den Terrarien der Liebhaber sich stabil und individuenreich entwickeln kann, wurde bezüglich Geoemyda spengleri mit Bestimmtheit erreicht.

Copyright 2017, Stefan Kundert Literatur ...
 
SIGS
Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz

www.sigs.ch



Fotogalerie:
Fotogenia
(Stefan Kundert)