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Reisebericht

Beobachtungen im natürlichen Habitat der Köhlerschildkröte
in Französisch Guayana

von Sabine und Thomas Vinke, März 1998

Um uns ein umfassendes Bild über unsere Köhlerschildkröten aus den Guyanas machen zu können, verbrachten wir Ende Januar 1998 unseren "Schildkrötenurlaub" in Französisch Guayana (Guyane). Die dort gemachten, oft überraschenden Erfahrungen und Beobachtungen, möchten wir hier kurz beschreiben. Die Suche nach einem geeigneten Habitat erwies sich als recht problematisch. Meistens waren die Savannenlandschaften zersiedelt oder so von Feuchtgebieten eingekreist, daß sie nicht zu begehen waren. Eine geeignete Savanne fanden wir südwestlich von Cayenne. Auch hier bestand das Problem, daß durch tagelangen Regen ein Durchforsten der Savanne zunächst unmöglich war (Wir haben uns Trockensavannen nie so nass vorgestellt, man versinkt knietief im Matsch.). Trotzdem konnten wir letztendlich die für dort typische rotgelbe Form dort finden.

Beschreibung des Köhlerhabitats

Die Trockensavannen in Guyane sind große an den Regenwald angrenzende Ebenen, in denen Feuchtgebiete, sowie kleinere Seen eingelagert sind. Durch den vielen Regen ist der Boden stark gefurcht. In den Furchen bleibt das Wasser oft mehrere Tage stehen (Lebensraum von Rhinoclemmys punctularia), es gibt jedoch großflächige, etwas höher gelegene, trockene "Inseln", die der Köhlerschildkröte als Lebensraum dienen. Die feuchten Gebiete waren durchweg nur mit Cyperus-Gras bewachsen. Wohingegen die trockenen Gebiete überwiegend von flachen Büschen und Schlingpflanzen durchzogen sind. Die angrenzenden Wälder bestehen überwiegend aus Sumpf und bieten unserer Meinung nach keinen geeigneten Lebensraum für die Geochelone carbonaria.

FutterangebotErstaunlich war, dass nur wenig verschiedene Pflanzenarten im Biotop wuchsen. Alle Pflanzenarten sind sehr dickblättrig und faserreich. Auffällig war jedoch, daß wir keine Pflanzen gesehen haben, die den Anschein erweckten, grossartig Früchte zu tragen. Neben der vegetarischen Nahrung steht der Köhlerschildkröte auch ein breites Spektrum an tierischer Nahrung zur Verfügung. Das Angebot setzt sich zum Grossteil aus im Regen oder in der Sonne verendeten Insekten und Fröschen zusammen, darüber hinaus aus großen Larven, fingerdicken Regenwürmern und Spinnen, die der Köhlerschildkröte eine leichte Beute bieten.

Klima und Licht

Wie von uns schon vermutet, unterliegt diese Form der Köhlerschildkröte extrem hohen Temperaturen. Die absolute Maximumtemperatur erreichte während der drei Wochen bei Sonnenschein etwa 36°C in den Verstecken, die absolute Minimumtemperatur betrug bei klarem Himmel nachts 26,9° C. Bei bewölktem Himmel oder Regen (Regelfall) betrug das Tagesmaximum 32° C und das nächtliche Minimum 29° C. Die Luftfeuchtigkeit schwankte im Tagesverlauf durchschnittlich zwischen 70% und 80% bei Extremwerten von 62% und 86%. Eine Messung der Lichtstärke konnten wir in Ermangelung eines Luxmeters nicht durchführen. Um die Intensität der Sonne zu beschreiben, möchten wir hier jedoch erwähnen, dass wir sogar durchs T-Shirt hindurch einen Sonnenbrand bekommen haben.

Bei dem Klima in Französisch Guayana handelt es sich um immerfeuchtes Tropenklima. Die eigentliche Regenzeit dauert 10 Monate von November bis August. Manchmal fällt im März noch etwas weniger Regen als in den übrigen Monaten (petit été de mars ). Die "Trockenzeit" von September bis Oktober ist auch sehr relativ zu betrachten. Zwar fällt in diesen Monaten weniger Regen als von der Natur verbraucht wird, es regnet dort aber immer noch mehr als in Aachen im November. Doch die beste Aussage zur Beschreibung der Niederschläge ist ein geflügeltes Wort in Guyane: "Es gibt eine Regenzeit und Zeiten in denen es regnet."

Beobachtungen in einem Habitat der Waldschildkröte (Geochelone denticulata)

Um es gleich vorwegzunehmen, es ist uns leider nicht gelungen, Waldschildkröten in ihrem natürlichen Biotop zu beobachten, dennoch haben wir einige interessante Informationen gesammelt. Die Waldschildkröte bewohnt in Guyane die Regenwälder sowie Feuchtsavannen. Als erstes durchsuchten wir die Regenwälder ohne Erfolg. Darauf sagten uns Einheimische, wir sollten es in der Umgebung des Ortes Mana im äußersten Westen versuchen. Bei diesem Biotop handelt es sich um eine Feuchtsavanne mit schmalen Waldstreifen. Der Wald ist hier sehr licht und es wachsen überdurchschnittlich viele Palmen und Säulenkakteen darin. Leider ist hier die staatlich geförderte Brandrodung auf dem Vormarsch und die Natur muss immer mehr den Reismonokulturen weichen. In den verbleibenden ursprünglichen Gebieten stellt sich wieder das Problem, dass sie kaum begehbar sind. Nach langem Suchen fanden wir einen vielversprechend aussehenden Einstieg. Hier führte ein Weg direkt durch die Feuchtsavanne in einen der schmalen Waldstreifen. Nach längerem Aufenthalt gaben wir die Suche wegen der vorgerückten Tageszeit auf. Auf dem Rückweg trafen wir einen Indianer aus dem angrenzenden Reservat und fragten ihn nach Landschildkröten. Nach einem minutenlangen Vortrag, wie lecker diese Tiere doch seien, erklärte er uns, daß wir an der richtigen Stelle waren, jedoch zur falschen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt halten sich die Tiere noch in der absolut unzugänglichen Feuchtsavanne auf und würden erst ab März in die Wälder übersiedeln. Seine Theorie war, dass die Schildkröten die Früchte der Palmen bei deren Reife riechen und in die Wälder kommen. Ein anderer Aspekt ist, daß dieses Gebiet im Gegensatz zu dem Osten Guayanas doch einer sehr pünktlichen Regenzeit im März unterliegt und die Feuchtsavannen dann endgültig voll Wasser laufen. Der Boden in den Wäldern war absolut trocken. Im Dorf der Indianer zeigte uns der nette Mann dann noch einige G. denticulata, die zum Vorrat neben den Hühnern in einem Drahtverschlag ihrem Ende im Kochtopf entgegen sahen. Unserer Meinung nach bedroht das übrigens die Art nicht, im Gegensatz zu den nicht überschaubaren Monokulturen. Wir fragten ihn nach dem Vorkommen von Geochelone carbonaria, was bei METRAILLER S. & G. LEGRATIET (1996) genau in dieser Gegend angegeben wird. Obwohl ihm die Köhlerschildkröten als Art bekannt waren, stritt er jedoch ein Vorkommen in dieser Gegend heftigst ab. Wir haben auch kein einziges Biotop gesehen, das den Ansprüchen der Köhlerschildkröten entsprach.

Klima

Ausser durch das Vorhandensein der ausgeprägten Regenzeit und auch einer relativ regenarmen "Trockenzeit" unterscheiden sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit dieses Gebietes kaum von dem oben beschriebenen. Auch die Temperatur in den Wäldern ist relativ ähnlich, wobei nicht ganz so hohe Maxima erreicht werden (31°C), insgesamt bieten sie jedoch erstaunlich wenig Kühlung.

Beobachtungen in einem Tierpark

Interessant waren auch die Beobachtungen, die wir in einem Tierpark machen konnten, der in der Nähe des Köhlergebietes war. Hier lebten etwa 10 - 15 G. carbonaria und genauso viele G. denticulata in einem grosszügig eingezäunten, naturbelassenen Gehege. Dieses Gehege war vom Parkplatz aus einsichtig, so daß wir die Möglichkeit hatten, die Aktivität der Tiere bei verschiedenen Wetterlagen und verschiedenen Tageszeiten zu studieren. An sonnigen Tagen sahen wir sie nur früh morgens, ab 10:00 h stellten sie alle Aktivitäten ein. An bewölkten Tagen waren sie auch bei 32°C ständig unterwegs . Bei gleichen Temperaturen und Regen lagen sie in ihren Verstecken. In dem Gehege befand sich auch ein grosser Teich, in dem man beobachten konnte, wie gut Waldschildkröten schwimmen können.

Copyright 2017, Stefan Kundert Literatur ...
 
SIGS
Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz

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Fotogalerie:
Fotogenia
(Stefan Kundert)